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Stuttgart. 600.000 Einwohner, Landeshauptstadt und politsches Zentrum des Landes Baden-Württemberg. Stuttgart, selbsternannte Sportstadt. Austragungsort der Fußball-Weltmeisterschaften 1974 und 2006, Leichtathletik-Europameisterschaft 1986 und Europameisterscfhaft 1993, Turn-Weltmeisterschaft 2007, Straßenrad-Weltmeisterschaft, Handball-Weltmeisterschaft. Zahlreiche Erstligisten – vom Deutsche Fußball-Meister VfB Stuttgart bis zum Wasserball-Team SV Cannstatt – sind hier beiheimatet.

Die Stadt Stuttgart hat also ein Herz für ihren Sport. Meint man eigentlich zu glauben. Doch das scheint nicht mehr ganz der Wahrheit zu entsprechen. Der Deutsche-Fußballmeister VfB Stuttgart ist nicht fähig ein eigenes Stadion zu finanzieren, also macht der Stuttgarter Großkonzern Daimler-Benz seine Schattulle auf und sponsert den Stadionausbau. Jahrzehntelang schuften sich die Mitarbeiter am Fließband einen ab, müssen Kürzungen um Kürzungen über sicht entgehen lassen und nun Verständnis für solche Sponsoringmaßnahmen akzeptieren. Dass dafür die Leichtathletik in diesem Stuttgarter Großstadion auf der Strecke bleibt, ach, was soll’s. Damit kann sich die Stadt Stuttgart ja den Ruf als Sportstadt nicht verlieren.

Es gibt in Stuttgart auch noch andere Vereine. Die sogar älter und einmal erfolgreicher als der glorreiche Aushängeschild der Stadt Stuttgart waren. Dieser Verein trug stolz die Stadt Stuttgart in die Welt. Hatte ein für die damalige Verhältnisse ein modernes und großes Fußballstadion. Doch die Stadt Stuttgart wollte nur ein Großstadion bauen, ließ darin den kleinen Verein VfB Stuttgart spielen. Musste dem älteren Verein sogar sein Herz, sein eigenes Vereinsgelände, größtenteils zerreißen um den Stuttgarter Fernsehturm erstehen zu lassen um die Größe und Modernität Stuttgarts zu zelebrieren.

Heute ist den Stuttgarter Nachrichten zu entnehmen, dass das Sportamt Stuttgart die Stuttgarter Kickers auffordert, sich nach einer Alternativ-Spielstätte umzuschauen. “Die Stadt will unsere sportliche Entwicklung abwarten und versucht die Modernisierungsmaßnahmen um ein Jahr aufzuschieben”, sagt Eichelbaum. “Dann könnten wir nicht einmal in der vierten Liga im Gazistadion auf der Waldau spielen.” Eine Ausnahmeregelung soll es nicht geben. Eichelbaum: “Einen Aufschub wird der DFB in Deutschlands reichster Großstadt nicht tolerieren.”

Ja, die Stuttgarter Kickers sind finanziell am Boden. Jahrelange Mißwirtschaft kostet ihren Tribut. Doch die Stuttgarter Kickers gehören zur Stadt Stuttgart. Fast dreitausend Mitglieder sind dem Verein trotz allem treu. Tausende Jugendliche spielen dort Fußball und lernen für ihr Leben. Lernen sich durchzuboxen, wie z. B. auch Jürgen Klinsmann das gelernt hat.  Dreitausend Zuschauern kommen Woche für Woche in ein Fußballstadion ohne jeglichen Komfort, zu einem qualitätsmäßigem eher dürftigen Fußballspiel gegen unattraktive Gegner. Nur aus einem Grund: Weil ihr Herz an diesem Fußballverein hängt. Der Sportstadt Stuttgart sind die Stuttgarter Kickers offensichtlich keine Herzensangelegenheit. Eine Sportstadt fixiert sich auf den Profi-Fußball in der Bundesliga. Breitensport scheint ihr nicht mehr ins Portfolio zu passen. Dass München, Frankfurt, Hamburg oder Berlin mit mehreren Vereine im Profifußball vertreten sind, scheint für die Stadt Stuttgart keine Argument zu sein. Die Sportstadt Stuttgart lebt. Noch.

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